Geschichte

 

Erste Besiedelungsspuren

Funde am Bodenseeufer auf dem heutigen Gemeindegebiet Kreuzlingen stammen aus der Mittelsteinzeit (9000-5500 v. Chr.). Auf dem Gebiet des Quartiervereins wurden auf dem Gaissberg eisenzeitliche Grabbeigaben (datiert um 700 v. Chr.) gefunden.

 

Alemannen

Gemäss Ortsnamenskunde dürfte Egelshofen als alemannische Siedlung im späten 7. oder frühen 8. Jahrhundert gegründet worden sein. Davon zeugt auch ein Grabfund im Wald ob Egelshofen: Eine Lanze und ein Schildbuckel, um 700 n. Chr.

1125 wird „Eigolteshoven“ erstmals urkundlich erwähnt.

 

Schwabenkrieg

1460 eroberten die Eidgenossen den Thurgau. Während des Schwabenkrieges wüteten sie in der Gegend und verbrannten am 6. März 1499 Egelshofen „gar und gentzlich“.

Im 16. Jahrhundert nahm die Bevölkerung markant zu, so dass die Egelshofer den Zuzug vor allem ärmerer Leute durch hohe Gebühren erschwerten.

 

Die Siedlung Egelshofen

Die Lebensader war der Dorfbach. Im Unterdorf vereinigt sich der westliche Töbelibach mit dem östlichen Krebsbach (im Oberlauf Gaissbergerbach) und fliesst als Schoderbach (heute weitgehend eingedolt) nach Norden. An den Bächen standen mehrere Sägen und Mühlen (z.B. Bergstr. 5).

 

Sulzbergerkarte 1837: Nur wenige Häuser säumen die Strasse vom Kloster (rot) nach Konstanz (Karte: Amt für Geoinformation Kanton Thurgau)

 

Wirtschaftlich spielte der Weinbau bis Ende des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Die Hänge südlich der Untersee- und der Egelseestrasse waren bis zur heutigen Bahnlinie mit Reben bestockt (vgl. Siegfriedkarte 1885). Im Jahre 1657 zählte man in Emmishofen, Egelshofen und Kurzrickenbach zusammen 43 Torkelgebäude. Da man von den Reben allein nicht leben konnte, gab es auch zahlreiche Handwerksbetriebe.

 

Die Kirche Egelshofen

Im Zuge der Rekatholisierung von Konstanz 1548 liessen sich etliche reformierte Konstanzer in dem seit der Reformation evangelischen Egelshofen nieder. Sie mussten nach Kurzrickenbach zur Kirche gehen. Erst nachdem 1712 die Evangelischen auf dem eidgenössischen Territorium das Recht erhielten, eigene Kirchen zu erstellen, konnte 1724 in Unter-Egelshofen eine evangelische Kirche gebaut werden. Am 19. November wurde sie eingeweiht. Auf dieses Datum bezieht sich das Astrogramm auf dem Gemeindeplatz.

Astrogramm Egelshofen 19.11.1724

 

Boom im 19. Jahrhundert

Noch 1837 bestand Kreuzlingen, zur Gemeinde Egelshofen gehörig, lediglich aus 13 Häusern, meist Gast- und Schenkhäuser (vgl. Sulzbergerkarte 1837). Egelshofen hingegen zählte 86 Häuser, Remisberg 15, Emmishofen 90 und Kurzrickenbach 91.

Siegfriedkarte 1885: Kreuzlingen, ein Rebendorf; der Schoderbach fliesst noch am Kolosseumplatz vorbei durch die Löwen- und Sonnenstrasse (Quelle: Bundesamt für Landestopografie)

 

Danach, besonders aber ab 1870 setzte vor allem in Kreuzlingen ein regelrechter Boom ein, so dass die Ortsgemeinde Egelshofen 1874 ihren Namen in „Kreuzlingen“ änderte und Gottlieben als Bezirkshauptort ablöste. Fabriken schossen wie Pilze aus dem Boden, in unserem Quartier beispielsweise die Schuhfabrik Rigi (Gebäude der heutigen Rausch AG). Die Weinberge verschwanden, der letzte 1938.

Die Gründe für den Aufschwung sind vielfältig: Verbessertes Strassennetz im Thurgau, Abbruch der Konstanzer Stadtmauer, Eisenbahnbau, freier Personen- und Warenverkehr über die Landesgrenze.

Vor dem ersten Weltkrieg wohnten in Egelshofen-Kreuzlingen und Emmishofen rund 7400 Personen. Der Ausländeranteil betrug mehr als 57%. Ein grosser Teil der Zuwanderer waren Deutsche, darunter viele Unternehmer, die mit Kapital und Ideen zum Aufschwung beitrugen.

 

1. Weltkrieg

Der Wirtschaftsboom wurde durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges abrupt gestoppt. Die Grenze wurde geschlossen, ein Grenzzaun errichtet. Projekte für eine gemeinsame Rheinhafen-Anlage und einen internationalen Gemeinschaftsbahnhof wurden auf Eis gelegt. Viele Ausländer kehrten in ihre Heimatländer zurück. Die drei Gemeinden Emmishofen, Egelshofen-Kreuzlingen und Kurzrickenbach mussten sich von Konstanz emanzipieren. Da man nicht mehr in Konstanz einkaufen konnte, wurden an der Hauptstrasse Ladenlokale in die Häuser eingebaut.

Zusammenschluss

Die Zwischenkriegszeit bescherte nochmals einen Aufschwung. Eine Buslinie der Konstanzer Verkehrsbetriebe bediente auch Kreuzlingen. Emmishofen, Egelshofen-Kreuzlingen und Kurzrickenbach wuchsen zusammen.

1927/28 entstand – nicht ohne Nebengeräusche – durch politischen Zusammenschluss dieser Gemeinden die Grossgemeinde Kreuzlingen. Das Klosterwappen wurde zum Gemeindewappen von Kreuzlingen.

So erklärt sich, warum Kreuzlingen kein eigentliches Zentrum hat. In den Quartiervereinen leben die historischen Verhältnisse weiter.

1947 erreichte Kreuzlingen mit 10‘000 Einwohnern Stadtgrösse, heute sind es rund 22‘000.

 

Bevölkerungsentwicklung  von Kreuzlingen (Datenquelle: Bundesamt für Statistik)

 

Eine Zeitreise von 1850 bis 2010 durch alle Karten der Schweizerischen Landestopografie findet sich hier.

 

Quellen: